„Juchu! Nach Ferienanfang am Freitagabend noch drei Stunden ins Theater!!“
Das werden sich wohl die Wenigsten gedacht haben, als wir am Freitag mit dem Literaturkurs nach Bochum zur Jahrhunderthalle gefahren sind, um uns ‘Rocco und seine Brüder‘ anzugucken.
Für mich (und wahrscheinlih die meisten Anderen) wars das erste Mal „richtiges“ Theater, ich kann mich (neben dem englischen Theater in der Unterstufe) nur noch grob an ein Stück aus der Grundschule erinnern. (Irgendwas mit Ratten.)
Spoiler ahaed
‘Rocco und seine Brüder’ ist die Geschichte einer süditalienischen Familie, die aus Hoffnung auf eine bessere Zukunft in den Norden Italiens, nach Mailand zieht. Mutter Rosaria und die vier Brüder Rocco, Simone, Ciro und Luca ziehen in die Nähe ihres bereits in Mailand lebenden und verlobten Bruders Vincenzo.
Simone verliebt sich in die Prostituierte Nadia, die wenig später jedoch Gefallen an seinem Bruder Rocco findet…
Die Parondis sind arm aber halten zusammen. Sie fahren nach Mailand, weil sie Vincenzo wiedersehen wollen. Außerdem sehen sie in der Großstadt die Chance etwas besser zu verdienen.
Am Ende des Dramas steht eine hochverschuldete, komplett zerrüttete Familie, die einen Mörder schützen muss.
Die Geschichte war für mich, hm, schwer nachzuvollziehen. In der heutigen Zeit und vor allem hier in Deutschland ist es schwer, sich in solche ‘Ehrenvorstellungen’ hineinzuversetzen. Rocco hält sich für einen schlechten Menschen – weil er mit einer Ex-Freundin seines Bruders zusammen ist (er wusste außerdem nicht mal, wie viel Simone die Beziehung bedeutet hat) – und verlangt von Nadia sogar, zu seinem Bruder zurückzugehen.
Die Theaterumsetzung hält sich stark an die Filmvorlage und ist vielleicht auch deshalb ziemlich lang (2 dreiviertel Stunden). Das merkt man zum Beispiel an der gefühlt 20 Minuten langen Kampfszene zwischen Rocco und Simone.
Gefallen hat mir die besondere Bühne. Das Publikum sitzt wie in einem Stadion in vier Blöcken um einen Boxring herum. Die meisten Handlungen finden auch dort statt, ergänzt werden die Spielorte durch vier „Türme“ um den Ring herum.
Eine der besten Szenen war die letzte. Familie Parondi sitzt am Küchentisch und feiert Roccos Sieg beim Boxen, bis auf einmal Simone reinkommt und die Situation eskaliert. Zum Schluss fliegen Stühle, volle Weingläser und Spaghetti (inkl. Soße) durch die Gegend, nach Ende des Stücks läuft man da quasi durch. Sehr cool!
Die Schauspieler waren alle sehr gut und überzeugend. Etwas komisch (aber lustig) war der holländische Akzent des Ensembles.
Insgesamt fand ich den Abend gut und interessant. Obwohl mich das Stück nicht richtig ansprechen konnte, war es mal ganz spannend zu sehen, wie Theater so funktioniert.
