War das ne Woche. Am Dienstag wurden wir informiert, dass jemand letzten Freitag eine Drohung an eine Tafel in der 4. Etage geschrieben hat:
Am Donnerstag kam dann dieser Zettel:
Das heißt heute war schulfrei für alle.
Die Reaktionen meiner MitschülerInnen waren sehr, sehr unterschiedlich. Von Leuten, die sich (übertriebenerweise) nicht mehr getraut haben alleine auf Toilette zu gehen, bis hin zu grenzwertigen Sprüchen wie: „Hey $name, wo haste die Pistole versteckt?“. Galgenhumor bzw. blöde Witze sind halt ein Mittel um solche Situationen zu verarbeiten.
Ich glaube ja an einen sehr schlechten Scherz. Was spricht dafür? Die Drohung wurde an die Tafel geschrieben. Nicht ins Internet, an eine Tafel im 4. Stock. Außerdem: Am 31.10. ist Halloween. Daher vermute ich wirklich, dass es sich hier um einen unüberlegten ‘Spaß’ handelt. Der Schreiber hat aber bestimmt nicht mit diesen krassen Konsequenzen gerechnet.
Was ich mich frage: War es richtig sofort die Polizei einzuschalten und Anzeige zu erstatten? Die Chance, dass sich der Verfasser meldet wäre wohl höher gewesen, wenn man mit der Polizei erstmal nur gedroht hätte. Dass sich nach der Alarmierung der Polizei niemand mehr meldet ist, glaube ich, nachvollziehbar. Vor allem, wenn man glaubt, nicht entdeckt zu werden.
Die Polizei ermittelt, es wurde einer Sonderkomission gebildet. Soweit ich weiß, wurden auch soziale Netzwerke durchsucht, auf einem Netzwerk hat man auch ein verdächtiges Bild gefunden, der Verdacht hat sich aber nicht bestätigt.
Der Täter ist immer noch nicht ermittelt, heute wurden Schriftproben verglichen. Auf dem Zettel steht, dass Schriftproben von allen Schülerinnen und Schülern überprüft werden, ich kann mir das nicht ganz vorstellen, das wären immerhin über 1000 Proben. Dagegen spricht auch, dass einige wenige Leute am Donnerstag Schriftproben abgeben mussten.
Großes Lob an unsere Schulleitung. Obwohl es sich höchstwahrscheinlich um einen Scherz handelt, war es richtig, die Drohung öffentlich zu machen und dann auch die Polizei einzuschalten. Natürlich will sich niemand vorwerfen müssen Schuld zu sein, falls doch was passiert. Und schließlich gibt es die Notfallpläne für solche Vorfälle nicht umsonst.
Pikanterweise haben wir am Montag in Literatur über das Thema unseres großen Theaterstücks gesprochen und uns für Amokläufe in der Schule entschieden. Wir wollen auch weiter daran festhalten, müssen jetzt aber natürlich noch sensibler damit umgehen.
Was bleibt? Keine Angst, ehrlich gesagt. Ich habe das Ganze wie gesagt für nen Scherz gehalten. Aber trotzdem, alles wird irgendwie realer. Man sieht, was ein simpler Satz an der Tafel nach sich ziehen kann. Man erlebt aber auch, dass das Thema ernst genommen wird und dass die Polizei vorbereitet ist. Und das ist schon beruhigend.
Die WAZ hat über die Drohungen berichtet und am Freitag sogar das Rhein-Ruhr-Ressort damit aufgemacht:

